Der Ärmelkanal ist eines der Seegebiete, in dem zu bestimmten Jahreszeiten häufig Nebel mit Nebel gerechnet werden muss. Gerade jetzt im Frühsommer trifft das noch kalte Meerwasser auf feucht warme Luft, bei dem der sogenannte Seenebel entstehen kann. Die Sichtverhältnisse verschlechtern sich dann schnell und bilden eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Schifffahrt. Trotz modernster nautischer Hilfsmittel wie AIS und Radar kommt es leider immer wieder mal zu Kollisionen. Das letzte medial ausgeschlachtete Ereignis war zwar, Gott sei Dank, keine Kollision, dennoch sehr brisant. Im Nebel näherte sich die Segelyacht Bright Future der russischen Fregatte Grigorowitsch so weit, dass der Kapitän Warnschüsse abgeben ließ. Auch uns hat der Seenebel verschlungen doch dazu später mehr.
Am gestrigen Abend motoren wir mit dem letzten Büchsenlicht des gestrigen Abends gemächlich nördlich von Guernsey vorbei in Richtung französischen Festlands, garniert von einem einem üppigen Resteessen. Mit der einsetzenden Dunkelheit wird es dann spannend auf dem Wasser, denn gefühlt von überall her blinken uns zahlreiche Leuchtsignale entgegen. Der große Leuchtturm vom französischen Kap, unzählige wild blinkende Kardinalbojen und zahlreiche Blinkfeuer, die auf irgendwelchen Felsen stehen, dazu hell erleuchtete Fähren und zahlreiche wild umher kurvende Fischerboote sind extrem verwirrend. Kurz gesagt, dem müden Käpt’n bietet sich ein chaotisches Lichtspektakel auf dem Wasser, das das schläfrige Gehirn erstmal einordnen muss. Erschwerend kommt der quer setzende Gezeitenstrom noch dazu, der das Schiffssymbol auf der elektronischen Seekarte zur Seite gedreht darstellt.

An einem Punkt wird es mir dann zu viel, ich wecke die schlafende Capitania und wir sortieren die Bilder der Realität, also das was man draußen sieht, und die Bilder der virtuellen Realität, also Plotter und Radar, gemeinsam und legen einen leicht geänderten Kurs zum nächsten Wegepunkt fest. Es kommt uns dann noch ein Fischer entgegen, der alle paar Minuten den Kurs vor uns kreuzt. Doch als der vorbei ist, ist es geschafft und die restliche Nacht geht ihren gewohnten ruhigen Gang.

Der Tag beginnt mit einem Wolkenband im Osten und erstaunlich flacher See. Nur der Wind ist wie abgestellt, dafür zieht um die Mittagszeit Seenebel auf. Das Radar muss arbeiten, mit Alarmzone für gefährliche Ziele, schalten die Positionslichter an, kramen das Nebelhorn raus und aktivieren auch den AIS Alarm. Und natürlich halten wir gründlich Ausguck, ich bin überwiegend draußen, um sich nähernde Motorengeräusche besser wahrnehmen zu können als drinnen im Schiff.
Eine schnittige 23 Meter lange Kunststoffmotoryacht kommt uns seitlich versetzt mit 17 Knoten Fahrt entgegen und erst im letzten Moment ist ein winzig kleiner Punkt auf dem Radar zu erkennen. Kunststoffschiffe ohne Radarreflektor geben kein gutes Radarecho ab. Irgendwann lichtet sich der Nebel und es setzt ein Wind aus Westnordwest mit 6-11 Knoten ein, sofort ist der Gennaker ausgerollt, die Motoren werden abgestellt und endlich segeln wir wieder.
Heute haben wir die Reservekanister in die halb leeren Tanks gefüllt. Falls wir die nächsten 20 Stunden durch motoren müssen, brauchen wir uns keine Gedanken um Tankfüllstände zu machen. Am frühen Abend setzt wieder Seenebel ein und der Wind macht Feierabend.

Noch eine kleine Kuriosität vom Vormittag. Da lief der Gezeitenstrom so stark gegen uns, das wir trotz des Einsatzes beider Motoren gerade einmal 1,9 Knoten Geschwindigkeit über Grund geschafft haben. Und das über einen Zeitraum von drei Stunden. das erinnert an frühere Nordsee Segelabenteuer, besonders im Bereich der Elbe. Wenn der Ebbstrom stark lief und man in Richtung Cuxhaven fahren wollte, blieb das Boot manchmal für längere Zeit fast auf der Stelle stehen.
Jetzt trennen uns noch eine Nacht auf See, 99 Seemeilen Entfernung und eine trickreiche Ansteuerung mit vielen Knickpunkten von Nieuwpoort.





































