Und schon wieder …

fing die Capitania ab Mitte März an, mit eindeutigen Erkältungsanzeichen rumzulavieren. Schleimlöser, Inhalieren, Hustentropfen, das ganze Programm. Röchelnd, schnäuzend und hustend, die Krankheitssymptome bannen sich immer mehr ihren Weg. 

Blumenmeer – ein kurzer Ausflug mit Axel und Petra

Ab dem 19. März ist dann meine Liebste wieder richtig krank, mit hohem Fieber und Schüttelfrost. Genau an dem Tag, an dem unsere lieben Freude Axel und Petra hier an Bord zu Besuch kommen. Die nächste Nacht ist die Hölle, am nächsten Morgen geht es Cornelia noch schlechter. Sorgenvoll kreisen meine Gedanken um sie. Es bleibt keine Wahl, der Entschluss steht fest, ich muss Cornelia in fachlich-medizinische Hände übergeben. Nach ein bisschen Widerstand (Volker hat mich gefragt, was ich tun würde, wenn er so krank wäre), gibt sie sich geschlagen und stimmt zu. 

Im Krankenhaus angekommen, bestimmen die gravierenden Symptome den vorgegebenen Weg. Die Ärzte weisen Cornelia auf die Intensivstation ein, dort wird sie rund um die Uhr medizinisch überwacht und ganze vier Tage lang betreut. Nicht nur die Atemwege sind betroffen, es hat sich eine Sepsis ausgehend von einer Nierenentzündung in ihrem Körper ausgebreitet, die, dank der schnellen und zielgerichteten Entscheidung des Intensivmedziners, mit Anitbiotikahämmern aus der WHO Reserveliste behandelt wird. Dann bessert sich glücklicherweise ihr Zustand langsam und damit mein Seelenleben auch. 

Doch es dauert noch weitere sechs Tage, bis meine Liebste wieder zurück an Bord ist. Was für ein Wahnsinn, aber auch was für ein Glück, dass solch kompetente Ärzte im Hospiten in Puerto del Carmen die Weichen in die richtige Richtung gestellt und damit das Leben der Capitania, buchstäblich gerettet haben. 

Unser tiefer Dank gilt Dr. Carlos und Dr. Enrico (sie haben sich so vorgestellt, die Nachnamen kennen wir wirklich nicht), dem gesamten engagierten Pflegepersonal, unserem Freund Peter, der uns aus den Bahamas allzeit ärztlich beratend zur Seite gestanden hat, unseren beratenden und mitfühlenden (Doktoren)-Kindern und unseren Freunden, die uns liebevoll ihre Anteilnahme spüren ließen.

Jetzt müssen wir uns erstmal erholen, die Capitania mehr körperlich und ich mich mehr vom Schlafmangel und der Aufregung der letzten Tage. Segeln steht in der nächsten Zeit eher noch nicht auf dem Programm, dafür ist es zu früh.

Doch es gibt auch Gutes zu vermelden: Der Geräteträger für die neuen Sonnenpaneele ist lackiert und installiert und sieht, wie ich finde, total schick und elegant aus. Bald kommen die Solarzellen an ihren vorgesehenen Platz, und dann sind wir, wenn alles stimmt wie berechnet, komplett energieautark. 

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So schlecht

Um es kurz zu machen, das Wetter ist weiterhin schlecht und in den nächsten acht Tagen wird sich nichts ändern. Kalt, regnerisch und ab morgen für drei Tage wieder stürmisch. Abends  mal schön irgendwo in einem Restaurant zum Essen draußen sitzen, kann man vergessen, bei 15 Grad und Wind macht das keinen Spaß. Puerto Calero ist abends normalerweise ein Ort, an dem Touristen schön gedressed an der Promenade lang schlendern, seit Tagen ist alles halb verwaist. Der zweimal wöchentlich stattfindende Wochenmarkt findet entweder garnicht oder nur mit ein paar tapferen Ausstellern statt. 

Cornelias Husten hat sich bei dem Mistwetter weiter manifestiert und trägt ebenfalls nicht zur Stimmungsaufhellung bei. Ich frage mich ja, wie es geht, dass das Wetter in Deutschland so schön und hier so schlecht ist, obwohl die Kanaren 22 Breitengrade weiter südlich liegen. Und nicht nur Deutschland, sondern auch der gesamte Mittelmeerraum profitiert von einer Wetterlage, die dieses warme, sonnige und frühlingshafte Wettermodell begünstigt. Nur der Atlantik hat hier das Nachsehen. Tiefdruckgebiet reiht sich an Tiefdruckgebiet, und kalte nördliche Luftströmungen vermiesen uns hier das eigentlich übliche warme Wetter. Von uns aus kann hier alles grünen oder blühen, wie es will, wir würden ein warmes und  trockenes Lanzarote in den üblichen Brauntönen bevorzugen. Wenn wir das Kopfkino anschalten, buchen wir schon unsere Rückflüge in den warmen und sonnigen Norden, verkehrte Welt! 

Weniger weit als gedacht, wegen – ich weiß es nicht – ist leider auch der Geräteträger für die neuen Solarpaneele. Das Grundgerüst ist schon seit zwei Wochen geschweißt, die Stützen sind noch nicht angefertigt und der Anstrich ist noch nicht erfolgt.

Im April wollen wir los segeln, egal ob das Ding bis dahin fertiginstalliert ist oder nicht Zur Not klebe ich ein paar Solarzellen aufs Biminidach und schließe die an die Aussensteckdose an.

Heute habe ich damit begonnen, die Rümpfe unter Wasser mal wieder zu reinigen. Trotz 17 Grad Wassertemperatur merkt man, dass der Frühling zumindest unter Wasser angekommen ist, der Bewuchsdruck gegenüber den Wintermonaten steigt. In anderthalb Stunden habe ich gerade mal einen halben Rumpf gereinigt und das Coppercoat neu angeschliffen. Algen, rote Flechten und grasähnliche schleimige Fäden haben sich am Rumpf angeheftet. Das bedeutet, dass ich in den nächsten drei Tagen ebenfalls einige Zeit im kühlen Nass verbringen werde.

Ansonsten unterstützt Cornelia, zusammen mit anderen engagierten Frauen, eine Freundin von uns, die leider einen Schlaganfall hatte. Behördengänge, Dinge des täglichen Bedarfs, gemeinsamer Zeitvertreib und allgemeine Hilfestellungen stehen dabei im Vordergrund. So ein Schlaganfall reißt die Betroffenen von einem Moment auf den anderen aus dem normalen Leben raus, wir hoffen auf Besserung. In wenigen Tagen wird sich hoffentlich rausstellen, welche Institution auf Lanzarote weitere ambulante Hilfestellungen für unsere Freundin anbieten kann.

Zu guter Letzt….
Heute haben wir uns dann zusammen mit Horst und Evelyn Sahnetörtchen und Kuchenstücke einverleibt. Gekauft beim deutschen Bäcker in Tahiche, versüßen solche gehaltvolle Leckereien den Tag und lenken vom Negativwetter ab. Egal, dass es das reinste Hüftgold ist!

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Blogpause?

Oh Gott, wir haben echt schon ein super schlechtes Gewissen wegen der langen Blogpause, aber es ist soviel passiert. Vor drei Wochen sind wir ziemlich unerwartet nach Hause geflogen, weil eine technische Inspektion an unserem Gebäude anberaumt wurde und wir da gerne dabei sein wollten. Das war vorm Karnevalswochende und den Karnevalsumzug haben wir dann mit unseren hübsch verkleideten Enkelkindern, fröhlich und ausgelassen, gefeiert. 

Es war ja echt so kalt an dem Wochenende, dass ich mich selbst noch mit kompletter Skibekleidung gefragt habe, ob das so eine gute Idee war, nach Deutschland zurück zu fliegen. Und prompt hat es dann kurz danach, sogar noch vor Aschermittwoch, an dem ja alles vorbei sein sollte, die Capitania voll erwischt. Am Rosenmontag war Schluss mit Lustig und Tätärä. Stattdessen lag Cornelia mit 39,5 Fieber im Bett und das war auch das weniger närrische Programm der nächsten Tage. Fieber, bösartiger Reizhusten, komplette Schlappheit und rasselnde Bronchien. Trotz frühzeitiger Antibiotika manifestierte sich das Grippevirus und hielt meine Liebste für noch weitere 10 Tage fest im Schach. 

Eigentlich wollten wir ja nur eine Woche im kühlen Deutschland bleiben. Doch so konnten wir noch den wunderbaren heimatlichen Frühlingsanfang erleben und sogar das erste Mal draußen Frühstücken. 

Gestern fuhr uns dann unsere Tochter in der Früh zum Flughafen. Dort sah es aus wie an einem Reisewochenende zum Ferienanfang. Stau auf der Zufahrt, ewig lange Wartereihen am Check-In Schalter und das gleiche Programm beim Security-Check. Gut, dass wir so früh am Flughafen waren, denn schon nach einer kurzen Wartezeit ging das Boarding los. 

Nach einem angenehmen Flug sind wir jetzt wieder an Bord, und das Wetter auf unsererLieblingsinsel ist deutlich schlechter als deutsche Frühling. Die Temperaturen sind wohl dieselben, aber dunkle Regenwolken ziehen aus Nordwesten heran, ein Sturmtief ist im Anmarsch. Der letzte kanarische Sturm ist gerade mal drei Tage her, bei bis zu 50 Knoten Wind  hat es ein paar unserer Zeltgummis zerrissen, die ich gestern gleich durch neue ersetzt habe.

Ab 20 Uhr soll es regnen und feucht soll es in den nächsten Tagen weiter gehen, bei Temperaturen zwischen 13-17 Grad. Nicht schön!

Zwischenstände zum Thema neue Solarpanels, Batterien und noch einigem mehr, folgen in Bälde, die unerwartete Blogpause ist hiermit beendet.

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Ahoi!

Der Frühling hält Einzug auf Lanzarote, zum einen ist es deutlich wärmer, sowohl tagsüber als auch nachts, und zum anderen blüht alles in den tollsten Farben. Regen gibt es immer mal wieder, doch gestern war einer der Tage, an dem der Himmel nur eine Farbe kannte, und die war blau. Der blaue Atlantik hat förmlich nach uns gerufen, und dem Ruf sind wir sehr gerne gefolgt. 

Doch zuerst mussten die Winterleinen gelöst und die Vorspring fürs Ablegemanöver gelegt werden. Horst und Evelyn waren mit von der Partie und prompt versemmele ich das erste Ablegemanöver. Die einströmende Flut schob die Hexe schneller als gedacht zurück an den Steg, also musste ein zweites und besseres Manöver, mit der Vorspring, uns vom Steg weg bringen. Das klappte dann tadellos und nach dem Wendemanöver am östlichen Hafenende zeigte der Bug dahin, wo er sollte, in Richtung Hafenausfahrt. 

Draußen war schon richtig was los. Ein Atlantikruderer mit Gästen an Bord trainierte für die atlantische Überfahrt, viele Kinder in Optimisten folgten, aufgereiht wie an der Perlenschnur, dem Trainerboot, und  die ersten RC 44 Cup-Boote fuhren ihre täglichen Up- and Down-Bahnen, um für den in einer Woche anstehenden Calero Cup zu trainieren. 

Die Hexe, mit Gennaker unterwegs

Cornelia steuerte uns erstmal raus aufs offene Meer, sodass wir in aller Ruhe unser 124 qm großes Großsegel setzen und das Boot komplett aufklaren konnten. Der leichte Wind verfing sich in dem Flügelprofil des Segels und schob uns langsam an. Die Motoren waren flugs abgestellt und die wohlbekannte typische Stille an Bord, die eigentlich jeder Segler nach dem Segelsetzen genießt, stellte sich ein. Doch nur mit dem Groß ging es sehr langsam voran, und mit Horst zusammen hisste ich schnell unseren 212 qm großes buntes Segel, den Gennaker. Schon kam Bewegung in die Hütte und wir beschleunigten auf Windgeschwindigkeit. 8 Knoten zeigte die Logge anbei 7-9 Knoten Wind.

Eine der RC 44 Carbon Regattayachten versuchte uns in Luv zu überholen, was der Crew zu unserer Freude aber nicht gelang. Ingesamt 336 qm Segelfläche befeuern die Hexe ordentlich und machen aus ihr ein sehr competitives Boot. Perfekt getrimmt zogen wir unsere Bahn, die RC 44 halste gekonnt hinter unserem Heck durch. Das zaubert nicht nur mir ein Lächeln ins Gesicht. 

Wir rollten den Gennaker weg, halsten ebenfalls und segelten mit Genua auf einen Windstrich zu, der uns nach Westen bringen sollte. Hoch am Wind, mit abgefiertem Leeschwert, geschoben von einer leichten Dünung, brachte uns dieser kleine Streifen Wind in Richtung Playa Blanca. Nach drei Seemeilen wendeten wir, und mit einem Windwinkel von 60 Grad können wir genug Fahrt im Schiff halten, um immer im Bereich der jeweiligen Windgeschwindigkeit zu segeln und nicht von der nun entgegenkommenden Dünung gebremst zu werden. 

Die warme Luft war sehr angenehm, die Unterhaltungen mit unseren Freunden plätscherten so dahin, Segeln vom Feinsten, Entspannung pur. Doch mit der Entspannung war es in dem Moment vorbei, als wir sahen, dass zwei der RC 44 vom schwedischen Team in ein paar Minuten ein weiteres Mal unseren Kurs kreuzen werden. Der Sportsgeist war erwacht, ich trimmte den Traveller ein wenig nach Luv und winschte die Genuaschot noch etwas dichter. Die Hexe dankte es mir und beschleunigte noch um ein paar Zehntel Knoten. Beide RC 44, Artemis und Carisma segelten, von einem Trainerboot begleitet, maximal hoch am Wind, eine Spezialität dieser Americascup ähnlichen Boote, auf Steuerbordbug. Wir hatten die Segel auf Backbord stehen und damit Vorfahrt vor ihnen und beobachteten gespannt die Annäherung der beiden Boote.

Mit unseren leicht gefierten Schoten und reichlich Druck im Segel, müssen die beide RC 44 Boote an unserem Heck vorbei. Evelyn und ich filmten, was das Zeug hält. Sowas bekommt man nicht alle Tage geboten, zumal auf den hochaufgerüsteten Booten weltbekannte und bezahlte Regattasegler aus der ganzen Welt sitzen, wie beispielsweise Torben Torquist und Iker Martinez.

Jetzt wird noch trainiert, ab nächstem Donnerstag werden acht  RC 44 auf der abgesteckten Regattabahn um wichtige Punkte segeln. Danach werden die Schiffe in ihre Container gepackt, die eigentliche Idee hinter diesem Design, und werden zum nächsten Regatta-Event verschifft.

Playa de la arena

Für uns hieß es kurz danach, alle Segel einzupacken, denn dem leichten thermischen Wind ging, wie vorhergesagt, die Puste aus. Wir motorten zum Playa de la Arena, warfen den Anker und ein jeder, außer der Capitania, nahm ein erfrischendes Bad im kühlen Atlantik. Die Wassertemperatur ist in den letzten zwei Wochen spürbar gesunken, ich schätze sie auf ca. 18 Grad.

Schon bald war’s Zeit für den Rückweg, gekonnt manövriert die Capitania das Boot über den Anker, während die Ankerwinde die Kette aufwinschte. Das Anlegemanöver war entgegen dem Ablegen unspektakulär und schnell waren alle Leinen festgemacht. Der aufgehende Moment im Osten und die gleichzeitig untergehende Sonne im Westen gaben  dem wunderbaren Sonntag ein passendes Ende.

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Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen

Tatsächlich stimmt das – erstaunlicherweise  – auch für Lanzarote, es gehört ja zu Spanien. Wir haben das noch nie so gesehen, und ganz viele andere, die noch länger hier auf Lanzarote leben, haben mir das bestätigt, nicht oft grünt es so grün.

Seit Anfang des Jahres regnet es. Nicht nur einmal in der Woche, wie anfangs, inzwischen regnet es an den meisten Tagen eher zweimal täglich, sehr seltsam. Solche Regenmengen sind auf Lanzarote eine Seltenheit, die Abflüsse an Straßen und Plätzen sind für solche Mengen nicht ausgelegt, in der Hauptstadt Arrecife, am Charco, geht unsere Freundin Ulrike nur mit Gummistiefeln mit dem Hund spazieren. Dafür gibt es unglaublich schöne Regenbogen:

Wir genießen die Fahrten über die Insel, man kann quasi zuschauen, wie das Gras, die Kräuter und die Wiesenblumen wachsen, Volker hatte schon die Idee, hier groß einzusteigen mit dem Import von Unkrautvernichtungsmitteln und Rasenmähern. Selbst an den Hängen der Vulkane wachsen kleine grüne Pflanzen, und inzwischen blühen die ersten Wiesenfelder. Lanzarote besteht ja aus Vulkangestein, und Vulkanerde ist unglaublich fruchtbar, reich an Mineralien, deshalb braucht es nur ein bisschen  Regen, und schon fängt das Wachstum an. Wenn es aber so viel regnet wie in den letzten Wochen, kann man den Pflanzen beim Wachsen zuschauen.

Zwischendurch kommt ein strahlend blauer Himmel ans Licht, und wenn die Sonne strahlt, ist es warm, man kann draußen sitzen – aber nur im Windschatten – und die Wärme genießen. Denn der Wind war fast die ganze Zeit eher stürmisch. Gestern ist er eingeschlafen, aber – ebenfalls seit Beginn des Jahres – hatten wir mehrere Tage mit acht Windstärken. Deswegen gab es auch über vier Meter hohe Wellen an den nordwestlichen Küsten der kanarischen Inseln. Dort sind leider auch mehrere Menschen in den Wellen umgekommen. 

Nun gibt es hier Menschen, die sich total freuen über das Grün, und andere, denen der Regen auf die Nerven geht, die ihre Insel lieber wieder in rot-schwarz sehen würden. Wir haben die Cockpitkissen im Boot verstaut, damit sie nicht nass werden, die Stoffschuhe in den Schrank gepackt, die warmen Mäntel und Regenjacken rausgeholt, aber wir sind immer wieder begeistert von dem neuen Farbglanz unserer Insel. Und oftmals gibt es wunderschöne Regenbogen.

Ab heute, Samstag, soll die Regenzeit vorbei sein. Tatsächlich hat es bis jetzt, 16:00 Uhr, noch nicht geregnet. Aber so richtig warm ist es leider nur im Windschatten, bei Sonne. Samstags gibt es bei den hiesigen Weingütern, also zumindest bei einigen, Live Musik, wir wollten gerne zuhören, und waren beim Weingut Stratus. Es war auch sehr schön, eine karibisch anmutende Sängerin sang mit bluesig-jazziger Stimme bekannte Lieder, leider nur zur Musik aus der Dose, aber es gefiel den Anwesenden gut, es wurde ordentlich applaudiert. Nur leider frischte der Wind immer mehr auf, sodass wir mit eiskalten Händen schließlich ins warme Auto geflohen sind. 

Normalerweise muss man auf Lanzarote den Weißwein oder den hervorragenden Sekt aus der Malvasia-Traube richtig kühlen, mit Kühlmanschetten oder diesem genialen Stab, den uns Freundin Susanne geschenkt hat. Er wird einfach im Eisfach gekühlt, und in die Weinflasche gesteckt. Der Wein kommt dann durch den Stab in einem feinen Strom ins Glas, und ist tatsächlich eiskalt.  Aber heute waren die Weißweine auch so richtig in der Temperatur, die vollen Gläser konnten sogar eine Weile rumstehen, ohne dass der Wein zu warm geworden wäre.

Nach dem Wochenende soll endlich wieder das lanzaroteñische Winterklima zurück kommen, 20 bis 25 Grad am Tag und nicht kälter als 18 Grad in der Nacht. Na, dann hoffen wir mal, dass die Vorhersagen der Wetterberichte stimmen. Aber, trotz allem Gejammere ist es hier ja doch deutlich wärmer als im kalten Deutschland oder im noch kälteren Kanada!

Die Windsbraut kommt!

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Ein spektakuläres Mannöver

Letzten Sonntag fand vor unserer Marina Puerto Calero – wie jedes Jahr – ein vielbeachtetes Event statt. Das Rennen der schnellsten und manchmal auch schönsten Boote (kommt ganz auf den Standpunkt an), veranstaltet von der RORC, dem Royal Ocean Racing Club, startet in Arrecife und 21 teilnehmende Boote segeln nach Antigua.

Wir sind gerne dabei, mit vielen anderen Booten von der Insel, wenn die Ein- und Mehrrumpfer eine Boje direkt vor unserer Marina an Backbord lassen müssen. Und jedesmal sind wir fasziniert von den Booten, den perfekt einstudierten Manövern und den enormen Geschwindigkeiten, die diese Schönheiten des Meeres nach der Umrundung der Boje ganz schnell erreichen.

Tatsächlich hat die “Argo” das Rennen gewonnen: Nach nur 4 Tagen und fast, aber nicht ganz 24 Stunden ist die Crew nach 3.211 Seemeilen in Antigua angekommen. Auch das zweite Boot “Zoulou” hat nur 5 Tage und 2 Stunden gebraucht für 3.274 Seemeilen. Das war bestimmt ziemlich anstrengend für die Crew und für das Boot.

Der schnellste Einrumpfer “Raven” ist heute angekommen, nach 6 Tagen und 22 Stunden, die sie für 3.570 Seemeilen gebraucht hat. Alle anderen Boote sind noch unterwegs, das letzte soll – hochgerechnet – am 28. Januar in der Karibik ankommen.

Wir gratulieren der “Argo” als schnellster Multihull und der “Raven”, als schnellstem Einrumpfer, und wir werden das Race weiter verfolgen.

Wir haben zu der Bojenrundung vor unserer Marina einen kleinen Film gemacht, den Ihr mit dem Link dort unten auf Youtube ansehen könnt. Viel Spaß!

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Alte Tradition

Schon lange bevor die eigentlichen Weihnachtstage beginnen, werden in zahlreichen Orten und Gemeinden Krippen aufgebaut. Doch nicht so wie in Deutschland, mit nur ein paar Figuren  und einem Stall. Bei den hiesigen Krippen werden die Highlights der Insel „en miniature“, detailgetreu nachgebaut. Sei es die Saline, die historische Bäderbrücke in Arrecife, das bunte Haus in Arrieta, die Vulkanlanschaften, die Weinberge und noch vieles mehr wird mit viel Aufwand modelliert und konstruiert. Die schönsten Krippen, die wir bisher kannten, stehen in Tinajo, in Arreciffe und Yaiza. Jede für sich ein echtes Kunstwerk. 

Heute haben wir einen Ausflug in das Vulkan- und Weinanbaugebiet gemacht und einen Stop bei der Stratus Bodega eingelegt. Wir wurden mit stimmungsvoller Livemusik empfangen und nahmen uns dann erstmal viel Zeit, um die aufwendig gebaute Krippe zu inspizieren. An der Stelle sagen Bilder mehr als Worte, und was nachgebaut wurde, habe ich ja schon weiter oben ausgeführt. 

Wir drehten noch eine Runde durch den dazugehörigen Bodegaladen, in dem neben dem Wein noch regionale Köstlichkeiten, Souvenirs und regionale Mode-Accesoires angeboten wurden. Cornelia konnten einem preisgekrönten Käse nicht widerstehen, aber der, wie sie selbst sagte, der teuerste Käse ist, den sie je gekauft hat. (Glücklicherweise schmeckt er auch richtig gut.)

Wir hörten noch ein wenig der Band zu und machten uns dann auf den Weg zur nächsten Bodega, die nur einen größeren Steinwurf von Stratus entfernt ist.

Angekommen bei der Bodega Geria, fanden wir das leckere grobe Salz (hier bezahlbar) aus der Inselsaline zum Verkauf und stöberten durch den Weinverkauf. Aber auch hier gab es leider keinen Spumante, und den trinken wir doch als mal gerne. Alsbald lockte uns Gesang und Gitarrenmusik nach draußen. Traditionelles kanarisches Liedgut wurde stimmungsvoll von einem Männerchor mit vielen Gitarren und phantasievollen Rhythmusinstrumenten dargebracht. Wir setzten uns zu den Fans und genossen den einzigartig schönen Ausblick ins Vulkangebiet, die Musik, die teilweise tanzende Menge und die wärmende Mittagssonne.

Jeden Samstag gibt es diese musikalischen Veranstaltungen, bei verschiedenen Bodegas. Nun wissen wir jetzt schon, was wir am nächsten Samstag wieder machen werden.

Ansonsten ist Weihnachten jetzt gelaufen, auch in Spanien. Am Tag der Heiligen Drei Könige bekommen die Kinder ihre Geschenke, danach verschwindet auch hier die Weihnachtsdekoration so langsam aus dem Stadtbild.

An Bord standen in der letzten Woche ein paar Unterhalts-und Verbesserungsarbeiten an. Ich habe die beiden großen Genuawinschen in ihre Einzelteile zerlegt, gründlich gereinigt, frisch gefettet und wieder zusammengesetzt. Bei den großen Winschen ist das eine sehr zeitaufwendige Prozedur. Doch es  gibt noch ein paar weitere Fortschritte zu vermelden. Die neuen Batterien sind eingebaut und liefern ab jetzt den Strom und halten auch bei hohem Verbrauch ihre Spannung über 25, 6 Volt. Die dazugehörige Regelelektronik wie das Batterie-Management-System und der Cerbo, der die Daten übermittelt, arbeiten ebenfalls tadellos. Kurzfristig haben wir uns schon vor Weihnachten entschlossen, das Batteriesystem mit einer weiteren, also einer dritten Batterie zu erweitern. Die soll kommende Woche kommen und muss dann nur noch in das bestehende System integriert werden. Ich werde bald mal über das komplette Batterie-Setup ausführlich berichten, wenn es komplett ist.

Ein Geräusch, das Freude macht: So schön klappert die frisch gereinigte und geölte Sperrklinke:

Der lokale Motormechaniker will am Montag nochmal vorbeikommen, weil das Impellergehäuse auf magische Weise immer noch leckt, und an dem Punkt, zwei Monate nach der Wartung, mal endlich Ruhe herrschen muss, sonst schwillt mir der Kamm, wie man so schön sagt.

Nächste Woche rauscht nochmal ein Tiefdruckgebiet mit Regen und Gewitter im Gepäck durch. Wir liegen ja gut hier in Puerto Calero, und erst, wenn die neuen Solarpanele installiert sind können wir wieder ans Segeln denken. Obwohl es so langsam in den Fingern kribbelt, so ein lange segellose Zeit ist nichts für mich. 

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Leise

…rieselte der Schnee am Abend vor unserem Rückflug nach Lanzarote und verzauberte unseren kleinen Garten in ein weißes Winter Wonderland.

Am Tag davor haben wir alle Weihnachtsdekoration in die Kisten gepackt, den Weihnachtsbaum entschmückt, und ihn schließlich in den Garten verfrachtet. Danach galt es das hinterbliebene Nadelmeer auf dem Fußboden zu beseitigen und die Wohnung wieder auf Vordermann zu bringen. Wie ein eigentlich frischer Tannenbaum, nach gerade mal neun Tagen im heimischen Wohnzimmer, so arg nadeln kann, ist mir ein Wunder. 

Aber egal, die Koffer waren rechtzeitig gepackt und wir abholbereit und abflugklar. Doch durch einen medizinischen Notfall in der Nachbarschaft unseres Schwiegersohnes mussten wir mit unserem Auto los, da die Straße dort durch die Rettungswagen blockiert war. Dabei habe ich wohl in der plötzlichen Hektik mein Telefon zuhause liegen lassen, und das erst kurz vorm Flughafen bemerkt. Ich nahm den Umstand halbwegs gelassen zur Kenntnis, denn wir haben noch ein altes Ersatztelefon an Bord, und ich habe mir schon vorgestellt, wie ich in den nächsten Wochen ein Smartphone freies Leben führe (das kann man sich aber gar nicht vorstellen Anm. d. R.). Doch wie es der Zufall so wollte, bekam die Capitania kurz nach dem Passieren der Security eine Nachricht auf ihr Telefon, dass unser Flug 1,5 Stunden Verspätung hat. Diese Chance musste ich dann schon nutzen, um doch mit meinem Telefon nach Lanzarote zu fliegen. Ein kurzer Anruf beim Schwiegersohn, der sich sofort bereit erklärte, das Telefon zuhause abzuholen, und ein kurzes Gespräch mit den Security Mitarbeitern, die uns wieder in den offenen Flughafen-Bereich schleusten, reichten . Eine knappe Stunde später hatte ich mein Mobiltelefon wieder in den Händen. Ein bisschen Abenteuer ist ja ganz ok. Danke an Johannes.

Jetzt sind wir wieder auf dem Boot, haben Sylvester mit unseren lieben Freunden an Bord gefeiert und erfreuen uns an den wärmeren Temperaturen. Obwohl es in den letzten Tagen wettermäßig sehr wechselhaft ist für hiesige Verhältnisse. 

Lanzarote verwandelt sich zusehends  zur grünen Insel, in den letzten Wochen hat es hier, nach den trockenen Wintern der letzten Jahre, außergewöhnlich viel geregnet. So grün haben wir unsere Insel noch nie erlebt. Überall wächst und gedeiht es, und es gibt viele wild blühende Blumen. Als ob es nicht schon genügend Regen gegeben hätte, liegt die atlantische Tiefdruckbahn in diesem Winter anscheinend so weit südlich, dass Lanzarote immer wieder von diesem windigen und feuchten Wetterphänomen gestreift wird.

Heute waren wir mal wieder Wellen gucken, denn das jetzige Tief bringt eine Sturmfront mit hohen Wellen mit sich. Dieses Spektakel lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Rolf und Cerstin waren mit von der Partie, und in der Umgebung von La Santa bewunderten wir die anrollenden Wassermassen und die brechenden Wellen. 

Die nächsten Tage werden mit 17-18 Grad recht kühl, die Dieselheizung an Bord funktioniert, und die langen Hosen stehen im Moment höher im Kurs als die Shorts. 

Zum Schluss wollen wir es nicht versäumen, all unseren Lesern und Freunden ein wunderbares neues Jahr mit Glück, Freude und Gesundheit zu wünschen.

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Feliz Navidad

Noch sind wir im derzeit kalten und windigen Deutschland, haben anlässlich der längsten Nacht den Beginn der längeren Tage mit vielen Freunden bei uns im Garten gefeiert.

Heute ist Heilig Abend, die Krippe ist aufgebaut, das Engelsorchester schaut auf den Maestro und der Tannenbaum ist geschmückt, die eingepackten Geschenke liegen darunter. Alles ist bereit für die große Familien-Weihnachtsfeier mit unseren Kindern und Enkelkindern, die bei uns traditionell am 25. Dezember stattfindet.

Wir wünschen unseren Freunden, wo auch immer Ihr auf der Welt oder den Weltmeeren sein mögt, ein fröhliches Weihnachtsfest mit Euren Lieben und friedliche letzte Tage in diesem Jahr 2025.

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Last Minute

Mit dem Einbau und dem Anschluss unserer neuen Batteriespeicher sind wir bis zum Abflug nicht soweit gekommen, wie wir uns das gewünscht haben. Es fehlen noch passende 95 Quadratmillimeter dicke Zuleitungskabel, es fehlen passende Sicherungen. Ein Tag vor unserem Abflug haben wir und das Einbauteam dann noch über zwei neue Zuleitungskabel von den Alpha Pro Steuergeräten, 1eines je Motorraum, gesprochen. Diese kleinen elektronischen Regler zeigen den Lichtmaschinen an, ob und wann sie Batterien laden sollen und wieviel Ampere eingeladen werden sollen. 

Bisher ist das so, dass bei den AGM-Batterien, nur bei einer höheren Motordrehzahl, viele Ampere in die Batterien geflossen sind. Man muss wissen, dass bei höherer Drehzahl, durch die kleinen Schaufelrädchen an der Lichtmaschine, die Lichtmaschine dann auch ausreichend gekühlt wird. Die zukünftigen Lithiumphosphatbatterien sind dagegen so energiehungrig, dass sie schon im Standgas maximal viel Ampere aus der Lichtmaschine saugen. Häufig führt das zum frühen Tod der Lichtmaschinen wegen Überhitzung. Damit das nicht geschieht, muss jeweils ein neues Kabel von der Lichtmaschine zum neuen Batteriemanagementsystem, das nennt sich  „Cerbo“ bei der Firma Victron, verlegt werden. Das besagte Kabel hätte man, bzw. ich schon lange verlegen können, da war die Planung aber wohl nicht so top. 

Jedenfalls, einen Tag vor der Abfahrt ist klar, dass ich noch die Kabel verlegen muss. Last Minute eben. Und damit es dann echt spannend wird mit dem pünktlichen Erreichen des Flugzeugs, standen Material und  Helfer am Tag des Abflugs auf der Matte. Und da muss man sagen, dass das nachträgliche Kabellegen in der Hexe wirklich spitzenmäßig von Outremer geplant und damit relativ simpel ist. Man muss nur nur die Wege kennen und das ist nach all den Jahren glücklicherweise der Fall. Und trotzdem steckt manchmal der Teufel im Detail. 

Egal wie ,um 11.20 Uhr waren beide Kabel mit viel Hektik und ein bisschen Aufregung erfolgreich verlegt. Um 11.25 Uhr war ich frisch geduscht, um 11.30 Uhr saßen wir im Auto, auf dem Weg zum Flughafen und kamen dort nach Abgabe des Leihautos um 11.50 an. Kurz nach zwölf Uhr warten wir auf das Boarding, das fünf Minuten später los ging. Just in Time! 

Jetzt sind Boot und Atlantik ein paar tausend Kilometer entfernt und das Vorweihnachtsfieber hat uns gepackt. Am Tag nach der Ankunft in Deutschland kommt das ganze Dekomaterial und die Lichterketten aus den tiefsten Tiefen des Kellers ins heimische Wohnzimmer und anschließend an ihren Platz. Drinnen oder Draußen. Was für ein schöner abendlicher Lichterglanz in Haus und Garten. 

Obwohl ich ja mal wieder nicht vom Boot weg wollte, hat mich das Vorweihnachtsgewusel voll in seinen Bann gezogen. Es gibt ja noch soviel zu tun. Geschenke für die Kinder und Enkel besorgen, das Essen planen, die Wintersonnenwendfeier organisieren…

Das erste winterlicher Gänseessen liegt auch schon hinter uns und mein sich langsam leerender Adventskalender zeigt uns deutlich an, dass sich das Weihnachtsfest 2025 schnell nähert.

Wir wünschen allen, die in diesen wuseligen Tagen noch Zeit haben unseren Blog zu lesen,  eine fröhliche Vorweihnachtszeit!

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