Heute gibt es Tag 3, 13. Juni, und Tag 4, 14. Juni, in einer Zusammenfassung, denn ich habe mal die Tastatur von der Capitania in die Hand gedrückt bekommen und nutze hiermit gerne die Zeit, um ein paar Zeilen zu schreiben. Denn Zeit hat man auf einer langen Segelreise ausreichend.
Kochen, Segel trimmen, aufräumen und spülen, sowie mal eine kleine Reparatur hört sich nach ausreichend Beschäftigung an. Trotzdem gibt es viele Momente, in denen man schon nach Arbeit oder Abwechslung an Bord suchen muss, wenn einem danach ist.
Ein Punkt kam bei dem gestrigen Schwachwindtag jedoch nicht zu kurz, das war der Segelwechsel und der Segeltrimm. Denn der leichte Wind kam fast genau von hinten, doch es wäre viel zu schade gewesen, den ganzen Tag den Motor laufen zu lassen. So haben wir am Morgen vom Code Zero auf den Gennaker gewechselt. Nach dem Studium der Wetterberichte haben wir dann beschlossen, auf das empfohlene Wetterrouting Modell zu pfeifen und den vorgeschlagenen Umweg von gut 180 Seemeilen nicht zu segeln. Alle Modelle wollte uns weit nach Norden schicken.
Zurück zum Gennaker, der wurde dann flugs ausgerollt, stand jedoch mit dem achterlichen Wind sehr abgedeckt im Windschatten von dem Großsegel. Frei nach dem Motto „Jugend experimentiert“ haben wir überlegt, wie wir um den symmetrischen Spinnaker, den wir nicht so gerne setzen, herumkommen können, und lieber den Gennaker so einstellen können, dass er das Boot voranbringt.


Ein halbe Stunde später, unter dem Einsatz einiger Hilfsleinen, ist uns dies gut gelungen. Wir haben den kompletten Gennaker, mitsamt seiner Rollanlage, über den Stand-up-Block am Bug zum Luvrumpf gezogen. Diese Zugleine haben wir zur Winsch an der Mastbasis umgelenkt. So weit in Luv stehend konnten wir mit dem quietschbunten Segel bis zu einem Windeinfallswinkel, von 165º praktisch fast vorm Wind segeln. Bei 9 Knoten Windgeschwindigkeit lief die Hexe gute fünfeinhalb Knoten, und bei 10-11 Knoten Wind sogar mit über sechs Knoten Speed. Wir waren begeistert.
Abends ging der Wind komplett weg. Es folgte eine nächtliche Motorfahrt mit viel Schlaf für mich, es gab ja nix zu trimmen. Gut erholt und gut gelaunt bekamen wir heute früh ein tolles Schauspiel der Natur geboten. Ich habe einen Schwarm Seevögel beobachtet, die in engem Radius und niedriger Höhe über der Wasseroberfläche kreisten. Dann bewegte sich das Wasser und wie mit einem Antrieb heraus katapultiert sprangen Delfine wie wild umher. Nicht so spielerisch wie sonst, die Aktion wirkte gezielt und einstudiert. Schnell war klar, dass die Unterwasserfreunde auf der Jagd sind. Ich habe mir sofort das Handy geschnappt, die Fotofunktion aktiviert und einfach drauf gehalten. Und so sind diese Schnappschüsse geglückt. Bald danach kamen noch drei Delfine zum Boot und spielten ein bisschen am Bug. Glücksgefühle pur!


Kurz darauf fing der Wind wieder an zu blasen. Nach einiger Überlegung kam der Code D, also der Gennaker erneut zum Einsatz. Das bunte Segel, der Wind und der günstige Windwinkel versetzten die Hexe in Rauschefahrt und für mich wurden noch mehr Glückshormone ausgeschüttet. Seitdem zeigt die Logge immer wieder zweistellige Geschwindigkeitswerte an und die verbliebenden Seemeilen schrumpfen (endlich?) schneller. Der Code D will halt immer gut getrimmt sein und das nimmt mich den ganzen Tag in Anspruch. So vergeht die Zeit fast wie im Flug. Noch ca. 700 Seemeilen bis Brest.

Lustig, heute früh haben wir unsere Kurslinie vom 25. Mai 2025 gekreuzt, als wir ebenfalls auf dem Weg zu englischen Kanal waren. Also haben wir mehr als zwei Wochen Verspätung.
Zum Abendessen gab es gestern in Weißwein, Früchten und Gemüse geschmorte Hühnerkeulen mit Curryreis.
Der Wind soll in den nächsten Tagen mit 9-12 Knoten aus West bis Südwest durchstehen. Es gibt eine ca. ein Meter hohe, sehr gemütliche atlantische Dünung aus West, fast keine Windsee.
Ganz traurig macht mich der viel zu frühe Tod des französischen Segelhelden Charlie Dalin. Für mich ist er der beste Regattasegler der Neuzeit, der den letzten Rekord bei der Vendée Globe mal ganz locker um zehn Tage verbessert hat, damit war er nahezu uneinholbar für die Imoca-Konkurrenz. Ein echt super sympathischer Ausnahmesegler, der zudem Vorbild für viele Nachwuchs Imoca 60 Segler war. RIP and sail in heaven!
















































































