Vier Nächte haben wir in der schönsten Bucht von Madeira, der Ensenada de Abra geankert, bevor wir überhaupt nur ein bisschen Lust hatten, weiterzufahren. Die bunten Gesteinsformationen, die in der Sonne leuchten, die zahlreichen kleinen und größeren Höhlen, die Islas Desertas im Süden, das Gefühl unendlicher Weite und trotzdem gut geschützt zu liegen, gegen Winde aus West bist Ost, das alles findet sich dort. Es gäbe bestimmt noch ein paar mehr Gründe, die man aufführen könnte, warum die Ensenada de Abra ein echtes Highlight ist, auch für Segler die schon an vielen schönen Plätzen dieser Welt geankert haben.



Nur mit dem Großsegel schippern wir gemütlich mit Schiebewind in Richtung Funchal. Segeln vom Feinsten, ganz ohne Welle. Doch hat man erstmal das Kap Ponta do Garajau erreicht, ist es vorbei mit den Segelfreuden. Zu hoch sind die Berge mit ihren Windschatten, nichts geht mehr ohne Motor, das ist fast im ganzen Süden von Madeira so. Kurz vor Camara de Lobos gräbt sich der Anker wieder ein, der nächste Zwischenstopp für die folgenden zwei Tage.


Mit dem Dinghy geht es in den wohl bekannnten bunten Ort von Camara de Lobos. Die kleinen Gassen in der Altstadt sind gut gefüllt mit Touristen, die schöne historische Kirche lädt zu einem besinnlichen Zwischenstop ein, und die jährlich neu gestalteten Trashart-Dekoration hängt wieder schön drapiert über unseren Köpfen. Es kommen einem gleich Begriffe in den Kopf wie Streetart oder Upcycling, denn was da in den Gassen hängt, ist wiederverwendetes Plastik, Pappe, oder Naturmaterial. Da gibt es hier ein paar Bilder dazu:



Am zweiten Tag kaufen wir nochmal kräftig Lebensmittel ein, denn der Windbericht verspricht gute (wenn auch starke) Winde, um nach Brest zu segeln. Wir sind euphorisch, dass es endlich ein Wetterfenster für unsere Fahrt nach Norden gibt. Zuerst sollen wir gut 200 Seemeilen in Richtung der Azoren segeln, bevor wir von einem nahenden. tTiefdruckgebiet mit westlichen Winden profitieren sollen, eigentlich perfekte Vorhersagen für uns. Wir gehen Ankerauf, klarieren alles an Bord für mehrere Tage auf See, binden ein Reff ins Großsegel, um die ersten Böen abpuffern zu können, wenn wir aus der Landabdeckung von Madeira rauskommen. Aber zuerst gilt es, ca. 15 Seemeilen im südlichen Windschatten von Madeira unter Motor zu hinter uns zu bringen.
Kaum am westlichen Ende der Insel angekommen, präsentiert sich das Meer mit weiß gespickten Schaumkronen und hohen Wellen. Der Wind steigert sich innerhalb einer halben Stunde auf bis zu 32 Knoten in Böen, die Gischt fliegt waagerecht übers Boot, das auf bis fast 13 Knoten Speed hoch am Wind beschleunigt. Klar ist, wir haben zu viel Segelfläche, wenden und laufen mit dem Wind ab.
Keine 20 Minuten später sind wir wieder im ruhigen Windschatten der Insel. So als ob nichts gewesen wäre, dümpelt die Hexe in der Flaute. Ich guck die Capitania an und sage, dass ich gerne noch einen 2. Versuch, mit dem 2. Reff im Großsegel wagen würde. Ein schüchternes „Ja“ kommt über ihre Lippen …
15 Minuten danach sind wir wieder im stürmischen atlantischen Hexenkessel unterwegs. Die Schiffsbewegungen sind jetzt etwas ruhiger, unsere Gedankenwelt nicht. Diese Art der Segelei sollen wir über 24 Stunden aushalten, Spray und Gischt überall, hoch am Wind segelnd, gegen hohe Wellen anbolzen? Brauchen wir das wirklich, müssen wir uns das nach all den Jahren Segeln unbedingt antun? Ist es das wert, bei den Bedingungen nach Norden zu schippern? Die Antwort ist nicht ganz schnell gefunden, doch sagen wir es mal so, die Vernunft siegt. Wir drehen um.
Aber was für eine Freude ist es, zurückzusegeln. Das Schiff fliegt förmlich übers Wasser, Gleitfahrt bis 14 Knoten, man könnte schreien vor Segelfreude, was für ein Unterschied zum vorherigen Amwindkurs. Kurz darauf machen wir die Leinen in Calheta fest, dem schönen und vertrauten Hafen im Süden Madeiras. Entsalzen steht auf dem Program, wir, das Boot, das Rigg und der Geräteträger, einfach alles erhält eine wohlverdiente Süßwasserdusche.
(„Eine Stunde segeln, drei Stunden Boot waschen“, beschwert sich der Skipper.)

































































































