Baro 1016, diesig, 22°, Wind anfangs wechselhaft, später NO bis N um 3 bis 5 Beaufort
Logge 1030, Motor rechts 1270,4, links 1251,7 h, Dieseltank voll
10:30 verlassen wir Puerto Calero nach einem Stopp an der Tankstelle, wo wir nicht nur die zwei Dieseltanks auffüllen, sondern auch noch vier Kanister, denn in der Wettervorhersage ist eher schwacher nordnordöstlicher Wind angesagt. Unter Motor fahren wir an Playa Quemada vorbei, um die Ecke an den Papagayo-Stränden entlang, Playa Blancq liegt im Kalima-Dunst, und ab dem südwestlichem Ende der Insel am Leuchtturm Pechiguera werden die Segel gesetzt, noch fahren wir außerdem mit Hilfe der Motorkraft.
Um 15 Uhr kommt die Genua raus, der Motor darf ein bisschen schlafen, aber das dauert nicht lang. Dieses Spiel spielen wir bis zum Abend, Genua rein, Motor an, Genua raus, Motor aus. Der aktualisierte Wetterbericht um 19 Uhr bestätigt unsere Befürchtungen, der Wind dreht immer weiter nördlich, mal mehr, mal weniger.
Zum Essen gab es heute leckere Tortellini alla panna, Volker hat gekocht, obwohl die See heute sehr ruppig ist und man – vor allem ich – mich überall festhalten muss, um nicht gegen die Möbel oder aufs Sofa zu fallen.
Nach dem Essen hat der Wind aufgefrischt und auf nette 50-60 Grad Windeinfallswinkel gedreht. Also wird mal wieder ab 21:10 gesegelt. Tatsächlich nimmt der Wind immer weiter zu (das hat keiner meiner Wetterberichte vorhergesagt), daher muss in die Genua Reff 1 eingebunden werden.


Das ist auch für eine Taube zu viel, „Andrea“ denkt sich, sie könne mit der Fähre nach Madeira fahren. Andrea deswegen, weil bei Tauben das Geschlecht ganz schwer zu bestimmen ist, und Andrea gibt es – vor allem im Deutschen – als weiblichen Vorname – und in Italien heißen viele Männer so. Jedenfalls ist sie erstmal bei uns ins Cockpit geflogen, dann kam sie tatsächlich rein und setzte sich nach einer Weile auf den Küchenblock.
Das Wasser und die Sonnenblumenkerne hat sie kurz angerührt, sie war offensichtlich sehr müde und hat die Nacht dankbar, still und schlafend bei uns verbracht. Am nächsten Morgen, beim Hellwerden ist sie jedoch aktiv geworden, sie hat auf Taubenart gegurrt, die Kerne gegessen und wollte dann das Boot erkunden, spazierte unter das Salonbett, und hätte am liebsten auch die Rümpfe inspiziert. Das ging ja nun zu weit, jetzt musste sie wieder raus ins Cockpit. Auch dort hat sie Futter und Wasser bekommen, und war offensichtlich beleidigt, dass sie draußen bleiben musste. Es hätte noch gefehlt, dass sie an die Scheibe geklopft hätte, aber sie stand auffordernd davor. Mittags hat sie einige Flugübungen begonnen, war weg, kam aber immer wieder und trippelte von dem Landeplatz auf unseren Solarpaneelen in den Schutz des Cockpitzeltes.


22:20 Uhr: Der Wind hatte aufgefrischt auf scheinbaren Wind von über 22 Knoten, als plötzlich ein lautes „Bäng“ ertönt. Ich hatte gedacht, das sei nur eine besonders grobe Well, die von unten an das Brückendeck geschlagen hat, aber Volker ist sofort rausgestürzt und hat gesehen, dass deie Leine des Unterliekstreckers gerissen war. Natürlich passiert so etwas immer in der Nacht, im Dunkeln.
Wir haben das Großsegel abgelassen und Reff 1 einngebunden, dann hat Volker die gerissene Leine am Unterliekstrecker repariert. Mir gefällt das ja gar nicht, wenn er da oben auf dem Dach herumturnt, ich schaue ihm dabei immer ziemlich gestresst zu, habe aber eigentlich unerschütterliches Vertrauen in ihn, bei allem, was mit Booten zu tun hat. (Sonst natürlich auch, aber hier besonders.)
Mit diesen beiden Reffs und einem Windeinfallswinkel von rund 60 -70 Grad fährt die Hexe im Vergleich zum anfänglichen Motoren viel ruhiger. Wir können sogar immer wieder ein bisschen anluven, das wird uns bei dem für morgen vorhergesagtem Nordwind sehr gut passen. Bis ca. 04:00 Uhr hält der Wind an, die Hexe segelt schnell mit 7-8 Knoten, aber dann wird der Windeinfallswinkel wieder spitzer, der Wind lässt nach, der Motor muss mit schieben.
Gegen 23 Uhr habe ich begonnen, mich zum Schlafen fertig zu machen, habe mir gerade die Zähne geputzt, als ich eine Welle aufs Deck schlagen höre. Danach kam eine noch stärkere und plötzlich stand ich unter der Salzwasserdusche. Offensichtlich hatten wir die Luke geschlossen, aber sie nicht mit den beiden Griffen verschlossen, und die Welle war stark genug, das Glas hochzuheben. Oh je!!!
Glücklicherweise hatte ich die Tür geschlossen, sonst wäre auch noch der ganze Flur nass gewesen, mit den Bilgen darunter, wo sich viele unserer Vorräte befinden. Erst mussten mal die Wassermassen mit den Handtüchern aufgenommen werden, dann einmal mit Süßwasser abgewischt, wir waren eine Weile beschäftigt.
Das war genug Aufregung für den ersten Tag unserer Reise gen Norden, für den Rest wünschen wir uns 13 bis 14 Knoten Wind aus 70 – 90°. Träumen darf man ja.



























































































