Die Sonne ist im Moment unser größter Freund, wenn sie endlich mal so viele Stunden scheint, wie man es für Lanzarote eigentlich erwarten kann. So sah es vorher aus:



Die guten Nachrichten mal vorab, Jan hat direkt am Anfang der letzten Woche die Solarpaneele angeschlossen. Und alles hat von Anfang an, so wie geplant, bestens funktioniert. Wir sind jetzt wirklich komplett energieautark, wenn denn die Sonne scheint. Jedoch selbst bei starker Bewölkung fließen immerhin noch 400-500 Watt in unsere Batterien. Doch wenn die Sonne am blauen Himmel steht, gibt es Sonnenenergie satt und soviel Ertrag, dass selbst die Waschmaschine Energieneutral betrieben werden kann. Es gehen dann immer noch mehr Ampere in die Batterien, als entnommen werden. Genau da wollten wir hin, mit unserer Planung und dem neuen Solarfeld. Selbst bei fast vollen Batterien fließen kraftvolle 1600 Watt, bzw. 60 Ampere Strom in die richtige Richtung. Da brauchen wir, so wie es aussieht, in Zukunft kein Landstromkabel mehr, Energieautonomie pur.
Wir haben schon mal spaßeshalber rumgealbert, dass wir jetzt mit der Hexe ja eigentlich Strom ins Hafennetz einspeisen könnten, wenn denn die Bezahlung dafür stimmen würde.
Aber, funktionieren oder nicht, scheint an Bord nahe beieinander zu liegen, denn vor ein paar Tagen war es mal wieder so lausig kalt und stürmisch, dass die Capitania die große Dieselheizung anschalten wollte. Ein lautes Klack, das typische Geräusch des Schalters beim Einschalten, doch es folgt kein vertrautes Brummen unserer Webasto-Heizung, denn die tut absolut keinen Mucks. Noch nicht einmal einen abgebrochenen Startversuch. Wir gucken uns etwas ratlos an, wiederholen das Prozedere mit dem gleichen negativen Ausgang. Die Capitania bemerkt nur lapidar, dass es ja gut sei, dass sie das mit der Heizung jetzt nochmal ausprobiert hat, bevor wir in Richtung Norden segeln. Ich kann der Situation erstmal nichts Positives entnehmen. Ich begebe mich auf Fehlersuche, nur um mir kurz darauf achselzuckend einzugestehen, dass ich am Ende meines Lateins bin, da entweder der Fehlerspeicher der Dieselheizung weitere Startversuche vereitelt, oder die Stromversorgung durch die Sicherung unterbrochen ist. Wir packen die elektrischen Schaltpläne aus, doch irgendwie hat es die Heizung anscheinend nicht in die Schaltpläne bei Outremer geschafft.


Die nächste Stufe sind ein paar Telefonate und Textnachrichten, mit Kevin von der Heizungsfirma in Holland, die die Webasto-Heizung im letzten September überholt hatten. Ich solle mal einen Hartreset durchführen, die Heizung mit dem Schalter anschalten und den Hauptstecker abziehen, doch das führt leider zu nix. Cornelia hat mittlerweile das Werkstatthandbuch im Internet gefunden und da steht, dass insgesamt drei Sicherungen verbaut sein müssen, und dass die große 20-Ampere-Sicherung für eine Minute gezogen werden soll, damit der Reset erfolgt und der Fehlerspeicher von der Webasto 90 Pro gelöscht wird. Nur wo verstecken sich diese vermaledeiten Sicherungen, die ich trotz intensiver Suche nicht finde. Es ist zum Haare raufen.
Ich rufe Jan an, er kommt und findet Gott sei Dank, nach langer Suche die Sicherungen in einem eigenen Kasten im Motorraum, wo auch die Heizung hängt. Wir kontrollieren alle Sicherungen, keine davon ist durchgebrannt. Dann ziehen wir die Hauptsicherung für eine Minute ab. Anschließemd startet die Heizung wieder, beginnt zu heizen und schaltet sich nach zwei Minuten ab. Der Vorgang wird natürlich mehrfach wiederholt, immer mit demselben Ausgang.

Auf Anraten von Uli sollen wir bei diesen Thema ruhig einmal die künstliche Intelligenz im Internet befragen, er hätte damit sehr gute Erfahrung gemacht. Wir fragen also so: „Webasto Pro 90 Dieselheizung startet und schaltet sich nach zwei Minuten wieder ab“. Die KI gibt folgende Lösungsmöglichkeiten vor: Luft in der Dieselleitung, Dieselpumpe defekt, Umwälz-Wasserpumpe funktioniert nicht, Brennervlies verunreinigt.
Wie geht es weiter? Das mit dem Brennervlies, der Dieselpumpe und der Luft in der Leitung schließen wir aus. Warum? Die Heizung läuft für zwei Minuten, mehrmals, also bekommt sie Diesel und man hört die Dieselpumpe ticken. Das Brennervlies ist im September erneuert worden und verschmutzt nicht so schnell mit Ablagerungen aus der Verbrennung.
Es bleibt nach unserer Ansicht nur noch die Umwälzpumpe, die unten an der Heizung hängt. Da sag ich zu Jan: „Wir sollten mal mit dem Hammer auf die Pumpe hauen, vielleicht hilft das.“ Er lacht und sagt, dass seine Oma auch auf alles, was nicht funktionierte, ebenfalls mit dem Hammer draufgehauen hat. Ein paar Hammerschläge später läuft unsere Dieselheizung mit dem typischen Gebrumm wieder, genau so, wie sie soll. Alle bisherigen Versuche, eine neue Umwälz-Wasserpumpe nach Lanzarote zu bekommen, sind leider gescheitert. Aber jetzt läuft die Heizung ja erst einmal. Da hatte die Capitania doch mal wieder Recht, dass es gut war, dass sie die Heizung anschalten wollte.
Zum Schluss noch: Gestern Abend ging es dann richtig rund im Hafen. Böen mit 38 Knoten pfiffen kreischend durch den Mastenwald, was für eine Geräuschkulisse. Bei einer Messstation in Arrecife wurden für über zwei Stunden Windböen von 56 Knoten gemessen, das sind 11 Beaufort, ein Orkan.
Ich habe auf der Stegseite, auf die wir gedrückt werden, noch ein paar zusätzliche Fender rausgehangen. Auch auf anderen Booten wurden nochmal Leinen und Fender justiert. Irgendwann in der Nacht war das Spektakel vorbei und damit endet hoffentlich eine weitere sturm- und regenreiche Zeit hier auf Lanzarote, mit untypischem Kanarenwetter. Länger anhaltende Besserung ist vorhergesagt, endlich!




















































































